Fallstudie

Agentische Beschaffung in der Fertigung

Ein Automobilzulieferer automatisiert C-Teile-Nachbestellung — und zieht Grenzen

Der Agent bestellt selbstständig, aber nur innerhalb eines Korridors: gelistete Lieferanten, gedeckelte Beträge, Rahmenvertragspreise. Außerhalb des Korridors erzeugt er eine Vorlage.

1.200 €Betragsgrenze je automatischer Bestellung
47freigegebene Lieferanten in der Allowlist
−81 %manuelle Bestellvorgänge im C-Teile-Bereich
2Vorfälle in 11 Monaten, beide innerhalb des Korridors abgefangen

Der Korridor

Die Gestaltung folgt einem einfachen Grundsatz: Der Agent darf handeln, solange die Handlung innerhalb eines vorab definierten und maschinell prüfbaren Korridors liegt. Drei Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein — der Lieferant steht auf der Allowlist, der Betrag liegt unter der Grenze, und der Preis entspricht dem gültigen Rahmenvertrag.

Ist eine Bedingung nicht erfüllt, bestellt der Agent nicht. Er erzeugt eine Vorlage mit Begründung und legt sie dem Einkauf vor. Diese Unterscheidung wurde bewusst technisch und nicht als Anweisung an das Modell umgesetzt.

Die beiden Vorfälle

Im ersten Fall führte eine fehlerhafte Stücklistenänderung dazu, dass der Agent die 40-fache Menge eines Dichtungsrings anforderte. Die Betragsgrenze griff, die Bestellung wurde zur Vorlage. Erkannt wurde der Fehler durch den Einkäufer, nicht durch den Agenten.

Im zweiten Fall enthielt ein Lieferantenportal in einer Artikelbeschreibung einen Textbaustein, der den Agenten aufforderte, die Bestellmenge zu erhöhen und eine abweichende Lieferadresse zu verwenden. Der Agent folgte der Mengenangabe. Die Lieferadresse lag außerhalb des Korridors und wurde abgewiesen. Der Vorfall wurde intern als Anlass genommen, Inhalte aus Lieferantensystemen grundsätzlich als unvertrauenswürdige Daten zu behandeln.