AI Index Report 2026
Stanford HAIs Jahresreport: Die Kluft zwischen dem, was KI kann, und dem, was wir steuern können, wächst
Der Leitbefund: Beschleunigung trifft Steuerungslücke
Der AI Index Report des Stanford Institute for Human-Centered AI (HAI) ist die am breitesten zitierte Datenquelle zur Verbreitung von KI. Die Ausgabe 2026 stellt ihr Leitthema ungewöhnlich deutlich voran: Die Kluft zwischen dem, was KI-Systeme können, und dem, wie vorbereitet Gesellschaft und Unternehmen auf deren Steuerung sind, wird größer, nicht kleiner. Fähigkeiten, Investitionen und Adoption beschleunigen — die Rahmenwerke für Steuerung, Bewertung und Nachvollziehbarkeit fallen dahinter zurück, und die Datentransparenz der Anbieter nimmt ab.
Zur Größenordnung der Beschleunigung: Auf dem Kodier-Benchmark SWE-bench Verified stieg die Lösequote binnen eines Jahres von 60 auf nahezu 100 Prozent. Agentische Systeme erreichten auf OSWorld — realen Computeraufgaben über Betriebssysteme hinweg — einen Sprung von 12 auf rund 66 Prozent Aufgabenerfolg, scheitern aber weiterhin bei etwa jedem dritten Versuch. Der Report nennt das die „gezackte Grenze" der KI: Dieselben Modelle, die Goldmedaillen bei der Mathematik-Olympiade gewinnen, lesen eine analoge Uhr nur in gut der Hälfte der Fälle korrekt.
Adoption und Geld
Die organisatorische Adoption erreichte 88 Prozent. In der Bevölkerung nutzten generative KI binnen drei Jahren 53 Prozent der Menschen — schneller als seinerzeit der PC oder das Internet, allerdings stark ungleich verteilt: Singapur liegt bei 61 Prozent, die Vereinigten Arabischen Emirate bei 64, die USA nur bei 28,3 (Rang 24). Den Konsumentenwert der meist kostenlosen Werkzeuge schätzt der Report für die USA auf 172 Milliarden Dollar pro Jahr.
Die Investitionsseite: Private KI-Investitionen der USA erreichten 2025 285,9 Milliarden US-Dollar, mehr als das Zwanzigfache der chinesischen Summe. Zugleich warnt der Report vor einer strategischen Schwachstelle: Der Zustrom von KI-Forschern in die USA ist seit 2017 um 89 Prozent gesunken, allein im letzten Jahr um 80 Prozent.